
Inhalt:
Zwei kurze Geschichten über Robespierre, Danton, Tugend und Moral.
Robespierre macht sich Gedanken um die Septembermorde, Danton um die Herrschaft des Terrors. Zwischen beiden liegen nicht einmal anderthalb Jahre…
Song: Sunday Bloody Sunday von U2
Erklärung: Septembermorde
Auch „Erster Schrecken“ genannt; Massaker in den Pariser Gefängnissen bei denen inhalb von drei Tagen über 1200 Menschen starben
Historische Personen:
Maximilien de Robespierre: der „Unbestechliche“, „Terrorist der Tugend“
Jean-Paul Marat: der „Volksfreund“, einer der radikalsten Führer, Befürworter politischer Gewalt; rechtfertigte die Septembermorde offen in seiner Zeitung
Georges Danton: Führer der unteren Volksschichten, berühmt für sein Redetalent
Fabre d’Églatine: Dichter & Schauspieler; Anhänger von Danton und Marat; verfasste einen Aufruf, der mit zu den Septembermorden beitrug
*+*+*+*+*+*
1792: Robespierre
I can’t believe the news today
Lächerlich. Preußische Truppen waren in Verdun? Natürlich, ein Beweis war nicht nötig. Und dann erst das Gerücht, politische Gefangne würden einen Ausbruch planen um sich den Feinden anzuschließen.
Aber es hatte gereicht. Gereicht für ein Blutbad.
Maximilien Robespierre saß über seinen Schreibtisch gebeugt und versuchte nicht daran zu denken und weiter zu arbeiten. Seine Rede war nicht fertig. Dabei hatte er doch heute die erste Version beenden wollen um sie morgen zu überarbeiten.
Aber nicht einmal er konnte ignorieren, was vorgefallen war…
Oh, I can’t close my eyes and make it go away
How long...
How long must we sing this song?
How long? How long...
Über eintausendzweihundert Gefangene waren getötet worden. Nicht einmal ein Drittel waren politische Gefangene.
Natürlich konnte er nicht von sich behaupten, er hätte Mitleid mit ihnen. Weder jene Gefangenen noch die einfach Verbrecher und Huren, die getötet worden waren hatten sein Mitleid verdient.
Seufzend ließ er den Federkiel fallen und verbarg das blasse Gesicht in den Händen.
Cause tonight...we can be as one
Tonight...
Aber es erschreckte ihn. Es erschreckte ihn, wie viel Macht Worte hatten. Marat, Danton und d’Églatine. Sie waren schuld, dass über Paris Straßen nun der Tod schwebte. Sie und ihre Worte.
Ganz besonders dieser d’Églatine.
Robespierre hatte ihn noch nie gemocht. Mochte er auch Rousseaus „Emily“ bearbeitet haben, die Ideale verstand er trotzdem nicht.
Broken bottles under childrens feet
Bodies strewn across the dead end street
Er stand auf und begann im Raum auf und ab zu gehen. Wenn er nur an Marats fadenscheinige Rechtfertigung in dachte… wie konnte man Blut rechtfertigen?
But I won’t heed the battle call
It puts my back up
Puts my back up against the wall
Nun, er würde Blutvergießen niemals gut heißen.
Natürlich stand es außer Frage, dass Menschen sterben würden, für das Glück Frankreichs. Das war unausweichlich. Aber ein Massaker war so… sinnlos.
Sunday, bloody Sunday
Aber es half nichts, darüber nach zu denken. Es war nun einmal geschehen. Und er musste wirklich weiter arbeiten. Seine Rede musste fertig werden.
Sunday, bloody sunday
Sunday, bloody sunday
________________________________________________________
"Terror ist nichts anderes als sofortige, unnachsichtige und unbeugsame Gerechtigkeit; folglich ist er ein Ausfluß der Tugend." – Maximilien Robespierre am 5. Februar 1794 vor dem Konvent
*+*+*+*+*+*
To be continued...
Würd mich über Feedback freuen. Das Gästebuch steht euch offen =D
*+*+*+*+*+
